Glück

Glück - ein bedeutungsschwangeres Wort. Ich musste schmunzeln, als ich in Nordnorwegen zwischen zwei Tauchgängen in die farbenbetörende Unterwasserwelt ein Werbemail eines Verlages erhielt. Nicht weniger als «der Schlüssel zu einem erfolgreicheren und glücklicheren Leben» wurde da in Buchform angepreisen. Für 24 Franken.

 

Mein Glück, das ich in Nordnorwegen erlebe, ist nicht käuflich. Mein Wetterglück, der norwegische Jahrhundertsommer, kaum Regen während sechs Monaten. Sonnenstrahlen, die tief ins Meer vordringen, blaugrün tanzen. Mein persönliches Glück, dass ich bei all den Reisen in die Tiefe nie ein technisches oder gesundheitliches Problem hatte. Mir wurde beim Anblick der unzähligen mich beobachtenden Augen stets bewusst, dass ich dort unten nur temporärer Gast bin und mich in diesem Lebensraum stümperhaft bewege. Und trotzdem mit diesen wilden Kreaturen in Verbindung trete, wie das an Land kaum möglich ist. Mein grösstes Glück ist, all den Lebensformen begegnen zu dürfen. Eine so fremde und skurile Formen- und Farbenwelt. Oft erst beim zweiten Blick habe ich gut getarnte Fische und Krebse entdeckt. Die Tiere bewegen sich so grazil und manchmal blitzschnell im Wasser. Sie bestimmen, wie nahe ich ihnen komme. Eine Flunder liess sich von mir am Bauch kraulen. Sie lag entzückt auf meiner Hand. Schwebend sank ich in die Tiefe, hinunter in dieses unendliche Tiefblau. Beobachtend hielt ich manchmal inne, 10, 20 Minuten lang an einem Ort, wo jeder Tauchbuddy längst die Geduld verloren hätte. Tief unten erklingen die in die Höhe steigenden Luftblasen meiner Atemluft wie Musik. So nah in dieser fernen Welt. Das sind tief empfundene Momente des Glücks.

 

Glücklich schätze ich mich, dass mein Umfeld mir diese Reise ermöglicht. Mein Arbeitgeber, meine Freunde, meine Familie, meine Frau. Für sie bedeutet mein Glück ihr Verzicht. Auch dessen bin ich mir bewusst.

 

Der Herbst legt sich über den Norden. Rauhreif glitzert in der Morgensonne. Die Gänse ziehen in den Süden. Die Blätter der Birken sind orange. Während der Nacht tanzt wieder das Nordlicht über mir. Intensives Glück. Einsames Glück.

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Kommentare: 3
  • #1

    barbara (Dienstag, 06 Januar 2015 20:19)

    Schöne Fotos, schöner Text! Froh, dass andere für mich den Mut haben, solche Momente einzufangen. Auch das ist Glück, wenn frau solche Freunde hat ;)

  • #2

    Udo (Dienstag, 06 September 2016 00:12)

    Robert, es sind nicht nur Deine großartigen Aufnahmen. Deine Worte und Gedanken zum Glück.....wunderschön.

  • #3

    Hans-Ueli Flückiger (Montag, 21 November 2016 12:44)

    Da fällt mir nur folgende Lebensweishait ein. Ich weiss nicht, wer dies geschrieben hat, aber ich weiss dass es stimmt.

    "Glücklich kann man nicht werden. Glücklich kann man nur sein."

    Herzliche Gratulation zur tollen Website und den aussergewöhnlichen Fotos!

Die Geschichten zu den Bildern. Hier geht's zum neusten Blog abgetaucht

Robert Hansen                           

abgetaucht in den Weltmeeren

                     

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