Ohrensausen

Die Mittelohrenentzündung von Zuhause hat mich wieder eingeholt. Nun begann das linke Ohr zu Schmerzen. Ich vertraute auf die desinfizierende Wirkung des Salzwassers (oder zwängte wider die Vernunft meinen Kopf durch die Kopfhaube). Mit Hilfe des nährreichen Planktons wurden die Schmerzen stärker – bis ich schliesslich einsah, die Taucherei besser ein wenig sein zu lassen und einen Arzt aufzusuchen. Das ist in Nordnorwegen nicht einfach. Eine reiches Land mit einem etwas kränkelnden Gesundheitssystem. Ich wurde an drei Orte geschickt. Nachdem ich dann in einem Arztpraxiswartezimmer eine Stunde gewartet hatte, verwies mich die freundliche Dame aufgrund meines Geburtsdatums in eine andere Arztpraxis. «Wir behandeln nur Patienten, die von Januar bis Juni geboren sind.» In der anderen Arztpraxis war die Krankenschwester schlecht gelaunt und pfiff mich an, in drei Stunden wieder zu kommen. Um die Geschichte abzukürzen: ich schluckte brav zehn Tage Antibiotika. Und gehe seit einigen Tagen wieder tauchen. Die Ohren reinige ich nach jedem Tauchgang mit der Essig-Alkohollösung aus der Zürcher Apotheke. Schweizer Qualität. Ich habe nur noch ein wenig Ohrensausen.

 

 

 

Gestern Samstag war ein Sausen anderer Art auf den Lofoten zu spüren. Ein Frühlingsstürmchen. Das blies immerhin unsere Europalletten um. Unsere Gäste sitzen in Bodø fest, da kein Boot und keine Flugzeug sich auf den Weg machte. Natürlich gingen wir tauchen – muss ja unter erschwerten Bedingungen auch geübt werden. Direkt vor dem Tauchzenter in der geschützten Bucht kamen keine Wellen an. Das Meer war trotzdem bewegt und die Einsiedlerkrebse wurden ganz schön durchgeschüttelt. Die Sicht war erwartungsgemäss schlecht. Nun scheint wieder die Sonne.

 

 

 

Nun beginnt die Saison auf unserer Basis. Die Tauchgäste bevölkern in den nächsten Wochen die Villa Ballstad. Wir sind in unsere Fischerhütte umgezogen. Till und ich haben drei Tage lang das Fett der letzten 25 Jahre von den Pfannen und Backblechen entfernt, haben die Kochplatten entrostet und das von den letzten Tauchinstruktoren im Oktober 2013 zurückgelassene Festessen für die Mäuse entsorgt. Nun ist unsere Bleibe dekoriert, sauber geputzt, desinfiziert und wohnlich. Ein schöner Platz direkt am Meer, mit Aussicht auf die Berge und die vorbeiziehenden Wolken. Die Seemöwen drehen nach dem Sturm ihre Kreise am Himmel.

 

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Robert Hansen                           

abgetaucht in den Weltmeeren

                     

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